11.9.2013, Michael Bischof

URL dieser Seite: http://www.koek.naturaldyes.de/extrakte.vorfuehrfaerbungen.html

Färben mit Extrakten

Am 31.8. und am 1.9.2013 wurde im Kreis der Teppichfreunde Zürich ein Workshop durchgeführt.
    31.8.2013, Schützenhaus Albisgüetli, Uetlibergstrasse 341, 8045 Zürich
Teil 1
Färbungen sehen lernen
Original und Fake
Show and tell

Teil 2
Demonstration: Herstellungen von Naturfarben mit Extrakten
    1.9.2013, 10 - 17 Uhr Thayngen , auf dem Balkon desVorsitzenden (Aktuar) der Teppichfreunde Zürich
Gefärbt wurde auf Wollstoff und Mohair/Woll-Garn mit
- Reseda-Extrakt
- Krapp-Extrakt für rot und für violett

Der Sinn von Extrakten für Textilliebhaber

Extrakte sind eigentlich für die Textilindustrie entwickelt worden. Um das Potenzial von Naturfärbemitteln im Sinne einer ökologisch vertretbaren und nachhaltigen Textilveredlung nutzen zu können benötigt man Farbstoffe in Extraktform, die sich ohne Weiteres in Wasser auflösen und in bereits vorhandene industrielle Färbemaschinen einbringen lassen. Nur in dieser Form kann die Industrie sie nutzen.

Hobbyfärber oder Textilsammler, die selber färben möchten, um etwas über die Qualitäten ihrer textilen Objekte zu lernen, könnten auch mit den gesammelten, getrockneten und gemahlenen Pflanzen arbeiten. Da in diesem Fall eine eingerichtete Werkstatt fehlt bleibt nur die Küche oder der Balkon dafür übrig.
Man steht dann aber vor dem Problem, dass man mit großen Volumina zu arbeiten hat. Um das unten abgebildete Krapprot darzustellen braucht man
Diese Erfahrung, die der Anfänger nicht haben kann, wird ersetzt durch die Erfahrung der Leute, welche den Extrakt herstellen. Sie sorgen dafür, dass diese störenden Substanzen im Extrakt nicht enthalten sind. Und Einem die Schweinerei in der Küche erspart bleibt.

Bei jedem Extrakt muss man vor dem Färben die Menge des färbewirksamen Farbstoffes kennen. Was ein Extrakt kostet ist vollständig unwichtig. Wesentlich ist wieviel 1 g färbewirksamer Farbstoff  kostet. Das gilt nicht für Naturindigo. Bei diesem entscheiden nämlich weitere nichtfärbende Extraktinhaltsstoffe darüber wie schön er färbt.

Arbeitsschritte:

1. Waschen des Färbeguts

Wolle reagiert empfindlich auf Hitze und pH-Werte über 5. Als Waschmittel nimmt man irgendein nichtionisches oder anionisches Tensid ohne Bleichmittel, setzt ein wenig Essig oder frischen Zitronensaft zu und kann dann vorsichtig bis 70°C, am besten in einem Wasserbad, erwärmen. Man läßt dann abkühlen und spült die Wolle mit Leitungswasser.

2. Beizen

a. mit Alaun: man gibt etwa Essig oder frischen Zitronensaft zu Leitungswasser. Es werden nacheinander gelöst 5% Weinstein oder 3% Weinsäure und 30% Alaun. Man erwärmt bis 80°C und läßt abkühlen. - Eine Kaltbeize für Alaun wird auch angeboten. Davon nimmt man nur 1/5 der Alaunmenge. Ansonsten ist das Verfahren gleich. Je länger man kalt beizt, was bis zu 1 Woche leicht möglich ist, um so besser wird das Beizergebnis.
b. mit Eisen: man gibt etwa Essig oder frischen Zitronensaft zu Leitungswasser. Es werden nacheinander gelöst 5% Weinstein oder 3% Weinsäure und dann 2-5% Eisen-II-Sulfat (Eisenvitriol). Ist die Lösung deutlich gelblich muss man solange Zitronensaft hinzusetzen bis sie farblos erscheint! Man erwärmt bis 80°C und läßt abkühlen. Kalt beizen kann man damit auch, was aber 3 Tage dauern würde.

Nach dem Beizen wird mehrere Male gründlich mit Leitungswasser ausgewaschen. Da dies bei Wolle nur langsam wirkt sollte man ruhig über Nacht ruhen lassen und am nächsten Tag nach dem erneuten waschen erst damit färben.

3. Färben

In unserem Fall wurden 20% NIG-Reseda-Extrakt abgewogen. Bei hartem Leitungswasser setzt man zu diesem Essig bis pH 4-5. Dann erst kommt das Färbemittel dazu. 1 Tropfen Tensid (siehe oben!) wird zugefügt und der Farbstoff durch kräftiges Rühren mit einem Blender („Zauberstab“, der Marktführer ist wohl ESGE) gelöst. Man gibt die Wolle ins Färbegefäß und stellt dieses in ein Wasserbad. Durch Zugabe von kochendem Wasser in den „Wassermantel“ erwärmt man die Färbelösung auf etwa 80°C. Diese Temperatur hält man ungefähr 1 Stunde und läßt abkühlen. Das Färbegut wird vorsichtig ausgedrückt und getrocknet.

Mit dem Krappextrakt wurde für Rot auf Alaunbeize und für Violett auf Eisenbeize das gleiche Verfahren gewählt. Nur wurde überhaupt nicht erwärmt. Die Qualität des NIG-Krapp-Extrakts ist so hoch dass ohne Weiteres kalt gefärbt werden kann. 3-4 Stunden reichen, mehr wäre aber besser, das kann auch über Nacht gehen, selbst 36 Stunden sind möglich. Danach wird das Färbegut vorsichtig ausgedrückt und getrocknet.

Färben mit Indigosulfonsäuren - siehe Anhang!

4. Nachwaschen

Kaltes Leitungswasser, 1 Tropfen nichtionisches oder anionisches Tensid ohne Bleichmittel, 1-2 Tropfen Ammoniak. Man gibt das gefärbte Material ein und bewegt es ab und zu. Nach einer Stunde wird 2x mit kaltem Leitungswasser nachgespült - fertig.
Man bemerkt dabei auch eine wichige Eigenschaft von Farblacken: ihr Erscheinungsbild hängt ab vom pH-Wert der letzten Lösung, in welcher sie sich aufgehalten haben. Gelbe Farblacke erscheinen im leicht Sauren zitronengelber, im Alkalischen goldgelber.
 
5. Belegfarben

Die bei dieser Vorführng ausgefärbten Materialien sind  hier zu sehen:
Krapprot - Stoff (öffnet sich in einem neuen Fenster)
Krapprot -  Garn (öffnet sich in einem neuen Fenster)
Reseda - Stoff (öffnet sich in einem neuen Fenster)
Reseda  - Garn (öffnet sich in einem neuen Fenster)
(Alle Bilder: Marcel Hermann. Thayngen/Schweiz)
Krappviolett -  Stoff (Bilder kommen später)
Krappviolett - Garn (Bilder kommen später)



Bezugsquellen:
Für NIG-Färbextrakte: NIG Magdeburg  (Startseite)
http://www.nig-magdeburg.de/downloads/product list natural dyestuffs.pdf
Übersicht und Farbkarten (NIG)
Für rohe Färbepflanzen und Hilfschemikalien: Kremer-Pigmente (Startseite, deutsch)
Für die erwähnte Aluminium-Kaltbeize: NIG Magdeburg

Anhang:

Ein ganz spezieller Fall: Indigosulfon

Das Verfahren, den wasserunlöslichen Farbstoff Indigotin mit Hilfe von Schwefelsäure zu sulfonieren, d.h. an das Molekül SO42- -Gruppen anzuhängen, um es dadurch wasserlöslich zu machen, stammt aus dem 18. Jahrhundert (Sachsen). Das Indigotin-Molekül kann je nach Reaktionsbedingungen bis zu 4 Sulfatgruppen aufnehmen:
Das Blau der drei letzteren ist in saurer Lösung viel lebhafter rotstichiger blau als Indigotin, wird aber in alkalischer Lösung grünlich. Indigosulfon ist einigermaßen lichtecht, aber nicht waschecht. Die Färber im Orient haben in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gelernt dieses Problem dadurch zu umgehen dass man Indigosulfon nur auf alaungebeizte Wolle gefärbt hat. Da Indigotin verküpt wird und Indigosulfon auf diese Weise einen Farblack bildet sind die visuellen Eindrücke beider Färbemittel völlig verschieden voneinander.

Vorgeführt wurde eine Mischung aus o.g. Varianten. Die Wolle wurde einfach in eine verdünnte Lösung eingelegt, auf 70°C erwärmt für 30', dann kurz abkühlen und abtropfen gelassen und kam dann in eine Alaunlösung, in der sie wiederum auf 70 °C für 30' erwärmt wurde. Nach dem Abkühlen wird gründlich mit Leitungswasser gewaschen und dann wurde einfach die vom Resedafärben übrig gebliebene Restflotte benutzt. Schon 5' nach  erneutem Erhitzen sah man ein tiefes Türkisgrün, das nach 30minütiger Färbedauer erheblich tiefer wurde.
Bilder von dieser Färbung habe ich nicht. Es kam darauf an den Teilnehmern den ganz anderen visuellen Effekt von Indigosulfon zu zeigen (mit dem auch leicht Violett färben kann, also nicht nur grün oder blau).                                                               



Impressum . Disclaimer